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Papst Franziskus in der Straßenbahn.

Papst Franziskus in der Straßenbahn.

Ein neuer Papst. Franziskus I. Nein. Franziskus. Einfach Franziskus. Die Reporter setzten, ungefragt und ungebeten das „I.“ hinzu. Das war falsch. Einfach Franziskus. Das ist richtig. Das genügt. So ist es gemeint. Keine barocken, imperialen Anklänge an einen Klerikalismus à la Renaissance. Keine pelzverbrämten Mützen und lächerliche Kleidertraditionen. Weniger, ziemlich viel weniger davon, wäre – fraglos (!) – sehr viel mehr.

Gestern Abend ist der bescheid wirkende Mann in der weissen Soutane mit dem ein wenig zu weit geratenen Priesterkragen auf der rot ausgekleideten Loggia gestanden. Ein bisschen wie das Schneeglöckchen, das Ende Februar den Frühling verheißt. Ich dachte an Albino Luciano, an Johannes Paul I. Wer weiss warum? Tags darauf kursierte ein Foto von Jorge Mario Bergoglio, wie er mit einer Aktentasche auf den Knien, in einem Bus oder einer Strassenbahn sitzt, im schwarzen Anzug des Priesters mit dem Koller (Tipp-Ex!) – und beim genauen Hinsehen war auch sein Bischofsring wahrnehmbar. Ich habe vorgeschlagen, dieses Bild als offizielles  „Papstfoto“ zu nehmen. Es anzusehen, war wie eine Erholung, es tat wohl, einen Menschen in seiner Wirklichkeit zu erkennen, ernst und ein wenig müde auch, neben einer Frau, die sich darüber gar nicht wundert. Wenn das der Papst wäre …
Keine Frage: Wir brauchen die Kirche – die Gläubigen sowieso und alle jene, die „guten Willens“ sind, spüren das, haben eine Ahnung davon. Mehr noch: Wir wollen sie auch, die Kirche. Aber – so wird es wohl sein – je mehr wir sie brauchen und wollen – so sehr braucht sie – die Kirche – unsere Wachsamkeit, unsere kritische Aufmerksamkeit. Das ist die Stütze, wie wir ihr schuldig sind. (Nebenbei eine vitale Szene aus dem kirchlichen Engagement des Poverello.) Unsere kritische Zuwendung ist das vitale Gegengewicht zum institutionsverliebten Klerikalismus. Seine Zeichen und Signale verdecken und verkappen, verbrämen und verderben, verfälschen und verstimmen die „Kirche als Zeichen und Werkzeug“. Der Name des Heiligen Franziskus – wenn es denn der Poverello aus Assisi ist (?), den sich der neue Papst für sein Pontifikat (das, Benedikt hab‘ Dank, jetzt ja durchaus als ein Engagement auf Zeit betrachtet werden darf) als Patron erwählt hat – steht in wichtigen Teilen auch dafür.
Abbé Pierre (1912 – 2007), der unvergleichliche französische Lumpensammlerpfarrer, erzählt, dass ihm Henri de Lubac (1896 – 1991), der Jesuitenkardinal, Theologe, Vorrreiter des 2. Vatikanums, bei seiner Priesterweihe in einer Kirche nahe bei Lyon, im Vorbeigehen zugemurmelt habe: „Morgen, wenn Sie auf den Steinplatten ihrer Kapelle stehen und man ihnen zuhört, sprechen Sie nur dieses eine Gebet zum Heiligen Geist: Bitten Sie, dass Er Ihnen den Antiklerikalismus der Heiligen gewährt.“

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