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ND de la Garde (Glockentürmchen)

ND de la Garde (Glockentürmchen)

Leider. La Ciotat hat mehrere Gotteshäuser aber keines steht unter der Patronanz des Poverello oder des Hl. Ignatius. Und für Papst Franz(iskus) ist es irgendwie noch zu früh, um in die Patronanzklasse einzusteigen. In diesen Tagen ist man ja irgendwie sensibilisiert für Franziskanisches, Jesuitisches, und – ja, meinetwegen – auch Pontifikales! In diesem Sinne wäre ich dann natürlich am vergangenen Sonntag gerne in eine Franziskus-Kirche gegangen oder in die Jesuitenkapelle – aus reiner Neugier, ob die römisch-franziskanisch-jesuitischen Begeisterungswellen bis in die Bucht von La Ciotat getragen haben.

Pfarrkirche ND de l'Assomption

Pfarrkirche ND de l’Assomption

Wie die Dinge liegen, dachte ich, haben sich die Christenmenschen in diesem Ort – patronanzmässig gesehen – auf die sichere Seite geschlagen. Notre-Dame ist mehrfach präsent. Eine ziemlich starke Verbindung zum jesuitischen Papst und Priester. Der Hl. Josef hat eine Kapelle (auch nicht unwichtig für den Papst), die Heilige Anna ist präsent mit einer Kapelle. Das römische Partner-Gotteshaus unter derselben Patronanz hatte ja den Bischof von Rom erst gestern zu Besuch, und den ganzen Reporter/innen-Pulk auch.  Der Hl. Jakobus leiht seinem Namen (einem alten) Hospital und auch hier gibt es neopontifikale Bezüge: Franziskus ist uns auch als Pilger vorgestellt worden, jedenfalls auf der Titelseite der PROVENCE (ist eine der Tageszeitungen hier).  Während in St. Anne nur im Sommer Gottesdienste stattfinden, weil es im Winter zu kalt ist, ist in der mächtige Pfarrkirche am Vieux-Port ziemlich Betrieb. Die Kirche ist Maria gewidmet,  in der Variante: Notre-Dame-de-L’Assomption. Ein dominantes Bauwerk, eher klobig, kaum Spuren von Eleganz, bis auf die grosse, breite Stiege, die in vielen Stufen zum Haupteingang hinauf führt. Mit dem alten Rathausturm komplettiert und prägt die Pfarrkirche die Shilouette des alten Hafenstädtchens La Ciotat.

Chapelle St. Jean

Chapelle St. Jean

„Extra muros“ sozusagen – vom gewachsenen Zentrum des Vieux-Port her gesehen – gibt es noch die Quartiers St. Marguerite und St. Jean. Der Lieblingsjünger Jesu gab nicht nur dem Viertel seinen Namen –  ,auch der Kindergarten, die Schule, die Epicerie, der Friseur und die Weinhandlung – alles ist St. Jean gewidmet. Auch das Gotteshaus, eingezwängt zwischen dem Fischhändler und dem Lebensmittelladen und kaum als solches erkenntlich. Das Gebäude ist ohne jeden Reiz, hat kein Profil, ist kaum wahrnehmbar und wenn man davor steht fragt man sich unweigerlich wo der Eingang ist. Und ist man im Inneren angelangt, haut es dich auch nicht von den Socken. Aber nach fünf Sonntagen als Gottesdienstgast,  weiss ich nicht nur das der Raum bei einer Besetzung mit etwa 180 Menschen aus allen Nähten platzt – und: Dass diese Gemeinde, die Leute, die betenden und hustenden und singenden und plappernd, vor sich hin spielenden und denkenden, grossen und kleinen Menschen, zwischen abgestellten Kinderwägen und Gehstöcken, alles, aber wirklich alles, was dem Gebäude fehlt, im Überfluss haben. Eingezwängt zwischen einer extrem parfümierten, freundlichen alten Dame und einem jungen Glatzkopf mit Lederjacke auf der Bank an der hinteren Wand gehen mit zwei Gedanken durch den Sinn. „Er muss zunehmen“ – der ewig lange Finger des Lieblingsjüngers auf dem Isenheimer Altar zeigt auf den gequälten, gekreuzigten Christus – „und ich muss abnehmen“ – nicht nur weil Fastenzeit ist; und dann höre ich Franziskus sagen: „Christus ist der Hirt der Kirche, nicht der Papst“  und den „Absager“ eines Reporters bei der Direktübertragung der Vorstellung des neuen Papstes: „C’est l’eglise, que fait le pape; ce n’est pas le pape, qui fair l’eglise.“ (Die Kirche macht den Papst, nicht der Papst die Kirche).

Chapelle des Minimes (Temple protestante)

Chapelle des Minimes (Temple protestante)I

In der Welt von La Ciotat, dachte ich, keine Spur von Franz. Aber ich hatte mich getäuscht. Denn es gibt in La Ciotat auch eine armenisch-christliche Gemeinde und – neben einer Reihe von evangelikalen Gemeinschaften auch eine lutherisch-reformierte Gemeinde. Deren Gottesdienste finden in der „Chapelle des Minimes“ statt, in der „Minoritenkapelle“. Unter dem Deckmantel der Ökumene also doch noch und wieder: Der Poverello in den Spuren seines Werkes. Der ‚Ordre de Minimes“ ist im 16. Jahrundert groß geworden und ist nach La Ciotat „eingekauft“ worden, sozusagen: 120.000 Livres (Pfund) – ein hübsches Sümmchen, wenn man gänzlich ungenau annimmt, dass 1 Livre für etwa fünf bis zehn Euro stehen könnte –  hat es sich Antoine Martin kosten lassen, die Minoriten-Brüder in seine Stadt zu holen, wobei sein Sohn ja bei ihnen eingetreten war. Alles in allem: Unerhörter Reichtum an franziskanischen Spuren. Es ist leicht, die Brücke zum aktuellen Pontifex zu schlagen und zu seinen Überzeugungen, jenen wenigstens, die er uns inzwischen bekannt gemacht hat. Der aktuelle Verwendungszweck der „Chapelle“ als öffentliche Begegnungsstätte für die laizistischen Ciotadens in friedlichen Miteinander mit der gläubigen, lutherisch-reformierten Gemeinde – das ist doch schon etwas.

IMG_6524 - Arbeitskopie 2Aber es gibt noch ein bisschen Mehr.  „Notre-Dame-de-Bon-Voyage“ (ULF zur guten Fahrt) oder „Notre-Dame-de-Bon-Secours“ (ULF zur guten Hilfe) prangt in großen blauen Buchstaben auf dem thalassotherapeutischen Rehabilitationszentrum. Vis-á-vis, an der Strasse am Meeresufer, sei – berichten die Archive – „seit unausdenklichen Zeiten“  eine Schutzheiligtum gewesen, dann kam ein Einsiedler, dann eine Kapelle und später, im 16. Jahrhundert, sind fünf italienische Bettelmönche und sieben Brüder – wegen ihrer Kleidung als „Kapuziner“ (Capucin) bezeichnet, gekommen und bis 1790 geblieben. Wohltätige, soziale und geistliche Dienste der Nachfolger des Assisi-Heiligen, seien – das ist ausdrücklich festgehalten in den Archiven – von der Bevölkerung zu jeder Zeit hoch geschätzt worden. –  Voilà!

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