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Friedensweg_2013 2Ein Scherflein beitragen. Mache ich jeden Sonntag, seit ich hier in La Ciotat am Sonntagsgottesdienst teilnehme. Zwei Männer im besten Alter flankieren die eher schmale Pforte der Chapelle de St. Jean. Freundlich und aufrecht stehen sie – wie zwei gefallene Engel – und strecken dir ein kleines Gefäß ein paar Zentimeter nur, entgegen. Beim einen ist es eine Art Kaffeetasse, der linke verwendet einen gebrauchten Kaffeebecher aus dünnem, weissen Plastik. in beiden Gefässen sind bereits ein paar Münzen und sie klimpern damit. Viele Kirchgänger/innen grüssen die beiden „Türwärter“ freundlich, damit hat es sich. Wortlos grüssen die beiden dann zurück. Ich schaffe es nicht, die Kirche zu betreten, ohne jedem der beiden etwas in den Becher zu werfen, also mein „Scherflein“ beizutragen. Ich bin der Reiche. Die beiden sind die Armen. Ich gebe, sie nehmen. Bettelarm. Weltweit und bei uns.

Am Ostermontag war meine Sonntagserfahrung irgendwie Thema beim Friedensweg in Konstanz. Unter freiem Himmel gingen an die 300 Frauen und Männer auf die Straße mit regenbogenfarbigen Fahnen auf denen „Peace“ geschrieben stand. Der Kapitalismus sauge den Menschen das Leben aus, wie ein Vampir. Europa, das Friedensprojekt, hängt am Geldtropf des IWF und wird sozial immer kränker und damit auch ärmer. Die neoliberale Wirtschaftsideologie bedroht das europäische Friedensprojekt, das an die soziale Gerechtigkeit im globalen Sinne gebunden ist. Steinreich. Weltweit und bei uns.

Bild 1Das muss sich ändern. Bettelarm und Steinreich. Weltweit und bei uns. Was die Redner/innen aus Gewerkschaft, Friedens- und Sozialbewegungen forderten, fassten die Organisatoren/innen des Friedensweges in einem Manifest zusammen: Das muss sich ändern! „Geraubtes Volksvermögen, Flucht- und Bestechungsgelder, Gewinne aus verbrecherischen Händeln werden von Banken gehortet und gewaschen; die Gefährdung der Volkswirtschaften aus Gier muss aufhören; Spekulationen mit Nahrungsmitteln gehören verboten; Steuerflucht kann nur global bekämpft werden.

Es geht nicht um Peanuts. Es geht um Schicksalsfragen. Große Fragen: Armut, Bildung, Gesundheit, Gleichstellung, Nachhaltigkeit. Abrüstung, Friedenssicherung, Menschenrechte, Völkerrechte – ein „Volk“ von 40 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen ist auf unserem Globus unterwegs, ungeschützt und jeder Ausbeutung ausgeliefert. Das muss sich ändern. „So geht es nicht weiter“ ist die Erklärung der Ostermontag-Friedensweges 2013 überschrieben. Ein Lese- und Studierstück für die Gemeinden und Vereine, für die Kirchengemeinschaften gleich welchen Bekenntnisses und für alle, die guten Willens sind und in einem der Bodensee-Anrainer-Länder – die auch von dieser Welt sind. Jeder beklagenswerte Punkte findet in jedem der Länder aktuelle und himmelschreiende Illustrationen – und jenseits ihrer Grenzen ist es um keinen Deut besser!

Franziskus, der Papst, hat Recht, wenn er von der verhängnisvollen In-Sich-Gekehrtheit und von der Gefangenschaft der (Kirchen)Menschen im lähmenden System spricht. Er hat in der Karwoche und über Ostern in starken Zeichen und in bedachten – selbst für Gottgläubige nicht immer leicht verständlichen – Worten vom Friedensweg seines Gottes in und durch diese unsere Welt erzählt. Viele Menschen nehmen ihm auch ab, dass er ein gutes Stück dieses Weges selber gegangen ist. Das ist gut – doch „hören“ ist der Anfang, hinGEHEN aber der echte FortSCHRITT.

P.S.: Ich werde die beiden „Torwächter“ wohl zum Essen einladen müssen!

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