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381px-Bundesarchiv_Bild_183-19000-2453,_Robert_SchumanAm 4. September waren es 50 Jahre, dass Robert Schumann in Scy-Chazelle (Mosel)  das Zeitliche gesegnet hat. Als Johann-Baptist Nikolaus Robert Schuman ist er am 29. Juni 1886 in Clausen (heute ein Stadtteil von Luxemburg) geboren und getauft (katholisch) worden. Ein „geborener Europäer“ und darin uneinholbar originell: Luxemburger, Deutscher, Franzose im Wandel der Geschichte, zu jeder Zeit und in jeder Hinsicht und durch und durch. Im Leben dieses Mannes gibt es nichts Aufgesetztes. Am 9. Mai 1950 in seiner Rolle als Aussenminister Frankreichs (zwischen 1948 und 1952 in 8 Kabinetten) schlug seine Stunde synchron mit dem „Kairos“ für Europa. Sein politischer Geniestreich legt die Spur für ein Europa des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit: Versöhnung als politisches Konzept. Im Wesentlichen definiert durch die Verweigerung der Weiterführung einer Logik des Krieges und der entschiedenen, aktiven Akzeptanz einer „Logik des Friedens“. Ein politischer Heiliger gar? 

Die Schumann-Erklärung schlägt „die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EKGS)“ vor, einer Wirtschaftsgemeinschaft also, deren Sinn und Zweck gar nicht so sehr mit Kapital und Profit verknüpft ist wie das heutige Europa uns glauben machen will, sondern eben darin: „Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen.“ Robert Schumans Rede ist kurz und „knackig“. Auch nach den vielen Jahren hat der Text nichts an seiner aufrichtigen Direktheit verloren mit der der französische „Sieger“ sich dem deutschen „Verlierer“ auf Augenhöhe begegnet. Versöhnung und Miteinander im Tun (Wirtschaften) bringen Frieden, das kostbare Gut in den zerbrechlichen Gefässen. Und es ist keine Zeit zu verlieren  – „jetzt“ ist es Zeit. Schuman drängt SOFORT zur TAT zu schreiten – und das nicht im Allgemeinen sondern „in einem begrenzten, doch entscheidenden Punkt“, nämlich zentrale wirtschaftliche Potentiale der Länder ZUSAMMEN zu legen. Schumans Erklärung hat profetische Züge.

Europa soll aussteigen aus der Logik des Krieges und bewusst und entschieden einsteigen in die Logik des Friedens: Abwenden vom tradierten „divide et impera“ der nationalen (und persönlichen) Egoismen und hinwenden zu einer „solidarischen“ Produktionsgemeinschaft. Im Spiegel dieses Textes sieht man deutlich die „Brüsseler Zwerge“ wie sie auf den Schultern der Riesen ihre Spielchen treiben und je tiefer die Sonne steht umso länger werden ihre Schatten. Schuman hatte keinen „Zwergenfrieden“ im Auge sondern ein Europa, dessen „eine Solidarität der Tat“ für die ganze Welt – modellhaft und in aller Freiheit – anbietet.

Das Diözesanverfahren für die Seligsprechung Robert Schumans wurde am 29. Mai 2004 abgeschlossen und an Rom übergeben. Zu seiner Zeit als Aussenminister begegnete er auch dem damaligen Nuntius in Paris, Angelo Roncalli: „Er ist der einzige Mann in Paris, in dessen Gesellschaft man die physische Empfindung von Frieden hat.“ (1) bemerkte Schuman. Dieses „Gespür“ weist hin auf die „Spiritualität“ dieses Mannes. Seine zölibatäre Lebensweise aber auch andere, wesentlichere Charakterzüge seiner Person, lassen die charismatische Gestalt eines katholischen Laien mit viel Zukunftspotential erkennen.

Der zu Beginn seines Lebens getaufte Katholik Robert Schuman und die bis in ihre Todesstunde ungetaufte Simone Weil (1909-1943) sind sich nie begegnet. Aber sie teilten die Begabung des Gespürs für den „Kairos“, für die Bedeutung der Stunde, der Zeit, in der Welten aus den Angeln gehoben und Neuanfänge an den Tag kommen. Schuman scheint mir – unter zahlreichen anderen – auch einer von der Sorte zu sein, die – zur meist verkannten und häufig mißbräuchlich auf (die) Kirche(n) reduzierte  – „unerhörten Größe des Christentums beitragen, die daher kommt, dass es nicht ein übernatürliches Heilmittel gegen das Leid sucht, sondern eine übernatürliche Verwendung des Leids.“ Mit scheint, das Schuman gegeben war, was Simone Weil zeitlebens Schmerz bereitete: „Das Höchste ist nicht, das Höchste zu verstehen, sondern es zu tun. Die Welt braucht Heilige mit Genie.“ (2) So könnte es sein.

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Foto: wikicommons (bundesarchiv.de)
(1) zit. nach A.Kirchmayer, Johannes XXIII. – ein Papst mit christlicher Spiritualität und Humor. In: H. Kohlmaier, Gedanken zur Zeit. Nr. 75 vom 14. Jänner 2013, S.6.
(2) zit. nach Michael Schneider, Wegmarken

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