Home
IMG_4147

Nikolaus 2014 mit Frau und Tochter in der Bregenzer Rathausstrasse.

Advent 2/1. _War gestern. Ist aber auch heute. Kennt keine Zeit. Das Geben und die Hingabe sind zeitlos. Allerdings auch zeitbedingt. Die Legenden bewahren das Wesentliche: Dass Herzensgüte und Hilfsbereitschaft mit Kreativität und Tatkraft verknüpft sind, so wie Leib und Seele zusammen gehen. Naja, manchmal.

Als ich klein war, hatte es am Nikolaustag noch Schnee. Viel Schnee. Die Papas und die Opas schwitzten ordentlich, um die Wege zum Haus frei zu halten. Und dann ist es dunkel geworden. Und die Flocken haben im fahlen Licht der Peitschenlampen getanzt. Ja, getanzt – mir wurde beim Zusehen fast ein wenig schwindlig. An anderen, nicht weniger ereignisreichen Tagen, sind sie je nach Windrichtung und Windstärke mehr oder weniger senkrecht gefallen. Manchmal hat es auch quer geschneit.

Der Holzplatz war am oberen Ende der Freudenau. Riesige Baumstämme waren zu kleinen Gebirgen geschlichtet. Von dort oben her kam der Glockenklang, näher und näher und dann, oben bei der fünften Strassenlampe konnte ich das Nikolausgespann herankommen sehen. Ich stand sicher. Auf einer Kiste. Hinter dem Stagetenzaun gleich beim Eingangstürchen. Hinter mir das Haus, wo die Eltern und Großeltern und Onkel Hans und Tante Luise wohnten. Nur ich stand im Freien. Sie alle standen in ihren Küchen und Wohnzimmern und schauten aus dem Fenster.

Dann schwebte der Nikolaus daher. Aufrecht stand er in einem grossen, schwarzen Schlitten. Hinten auf einem kleinen Brett stand der Krampus, ganz klein machte er sich. Er trug schwere Ketten bei sich. Das metallische Rasseln war ganz beängstigend. Aber im Lichtkreis des großen Bischofs mit dem – wie mir vorkam – schweren, roten Mantel und dem wunderbar golden leuchtenden Stab verschwand der Schwarze im Dunkel. Die sanfte Helle und das Licht um den grossen Guten wärmte meine Kinderseele durch und durch.

Das ist mein vom Nikolaus. Unerschütterlich, die Güte in seinem lichtvollen Umkreis. Der Jutesack mit den Gaben lag neben ihm auf dem Sitz im Schlitten. Und als ich ziemlich durchgefroren mit roten Ohren und zuinnerst erwärmt durch die Haustür ging, fand ich das Sacklein mit den Schätzen: roter Apfel, Bümmel (Lebkuchen), Nüsse und Mandarinen, die ich lieber hatte als die grossen, klobigen Orangen.

Tja, so ist das gewesen. Und – irgendwie – bis heute auch so geblieben, im Glauben daran wenigstens: „Am Ende wird alles gut und solange es nicht gut ist, ist noch nicht das Ende.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s