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fullsizeoutput_1b09ALLE KÖNNEN DAS HANDWERK DES FRIEDENS ERGREIFEN. Am 2. Jänner 2017 haben sich – wie immer an den 1. Montagen im Monat der letzten 2 Jahre – wiederum rund 18 Personen zum Schweigekreis auf dem Bregenzer Kornmarktplatz eingefunden. Kurz vor 18h hat es begonnen zuerst zu regnen und dann zu schneien. Und kalt war es auch. Einige haben vernünftigerweise das Trockene gesucht, unter den Bögen des Eingangs zum Landestheater. Einige sind die halbe Stunde im Schneeregen gestanden. Um 18.30h, als wir den Schweigekreis beschlossen, stieß noch ein verschneiter Radfahrer zu uns, der den Beginn um 18.30h angenommen hatte. Einige Passantinnen und Passanten haben sich für eine Zeit lang einfach in den Kreis gestellt und sind dann wieder weiter gegangen.

Kurz bevor nachdem alle Kerzen eingesammelt waren und wir beim Aufbrechen waren, stellte sich ein Passant mit Fragen ein: „Sagen Sie, warum machen Sie das!“ sagte er leicht echauffiert. Und setzte nach: „In Syrien ist Krieg, was machen Sie dagegen!?“ Und noch einmal: „Putin wird Krieg führen, ob Sie wollen oder nicht!“ Und er wiederholte, kopfschüttelnd: „Sagen Sie, warum machen Sie das? Es ist doch völlig sinnlos? Mit diesem Zauber werden Sie nix ändern, es ist sinnlos, was sie da machen!?“

Irgendwie hat der Mann Recht, oder? Mir fällt nichts ein zu seinen Fragen. Keine Antwort weit und breit. Aber – irgendwie hat er auch nicht Recht. Dummerweise hatte ich keine richtige Kopfbedeckung getragen, nur ein Stirnband. Der erste Naturschnee des neues Jahres hatte sich auf meinem Kopf niedergelassen und ein paar Wassertropfen rannen über die Stirn auf die Nase und einige auch über den Hinterkopf in den Nacken. Aber keine Antwort auf das Kopfschütteln des Fragers war mir eingefallen. Ausser dem einen, mageren, dünnen und schwachen: „Ich setze ein Zeichen zu setzen“ ohne Punkt oder Komma und ohne Ausrufezeichen.

Was mir nicht eingefallen ist und mit vielleicht hätte einfallen sollen oder können zu sagen, schreibe ich jetzt hierher und vielleicht habe ich Glück und der Mann mit dem Hut und den Fragen liest es auch: „Alle ersehnen wir den Frieden; viele Menschen bauen ihn täglich mit kleinen Gesten auf; viele leiden und nehmen geduldig die Mühe auf sich, immer wieder zu versuchen, Frieden zu schaffen.“ Das ist ein Zitat aus einer Rede, die Papst Franziskus in Bethlehem (25. Mai 2014, Regina Coeli) gehalten hat und im letzten Absatz seiner Botschaft zum int. katholischen Weltfriedenstag 2017 (Nr. 7). Aber noch lieber wäre mir gewesen, wenn mir das hier eingefallen wäre: „Was zählt sind die unzähligen kleinen Taten unbekannter Menschen, die die Grundlagen schaffen für bedeutende Ereignisse die in die Geschichte eingehen. Sie sind diejenigen, die in der Vergangenheit etwas getan haben und die es in der Zukunft werden tun müssen.“  (Howard Zinn)

Naja, er wollte ja eine Antwort von mir und nicht vom Papst oder von Mr. Zinn. Und so gehe ich nochmals und immer und immer wieder in Lehre des Friedenshandwerks. Denn, so sagte einmal Simone Weil (1909-1043), wer in die Lehre geht, dem „dringt das Handwerk in den Leib“.

Foto: (c) Walter Buder

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