vom be- kommen

fullsizeoutput_1334Die katholischen Christen der Diözese Innsbruck haben einen neuen Bischof bekommen.  An einem Bischof ist nicht unwesentlich, dass die Gläubigen einer Diözese ihn „bekommen„. Man kann ihn sich nicht aussuchen oder gar – wie ziemlich einige möchten, meinen, hoffen, ersehnen und/oder glauben – wählen.
Der poetische Kommentar steht aktuell im Spielraum zwischen der Freiheit des Christenmenschen und dem im Schatten der Zeit gewachsenen Dickicht der Traditionen römisch-vatikanischer Personalpolitik.

spruch des briefträgers
_

jeder bekommt von mir
was ihm zusteht.
kein bisschen mehr.

was ihm zusteht bestimme nicht ich.
was einem zusteht, bestimmen
die anderen.
doch was einem zusteht

bekommt er oder sie von diesem
aber durch mich. ich stelle briefe zu.

die zustellung geschieht ohne rücksicht auf
inhalt und form. was gegeben
werden will bestimme nicht ich.

was gegeben werden will
bestimmen die anderen. inklusive das
was zwischen, über, unter oder
hinter den zeilen steht oder stehen kann
oder soll

das alles
sagt der briefträger, geht mich nichts an.
das habe nicht ich zu bestimmen oder bestimmt.
das haben andere bestimmt.
meine zuneigung
endet am briefkasten. manchmal nur, schimmert ein gedanke
von unglück für jene, die ein postfach haben.
sie können nicht warten
_

aus: Walter L. Buder, dich. gedichte. Hard (Hecht-Verlag) 2017.

m.p.g.a., die fünfte

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Frau Schwendimann, Frau Elias-Zuflüh und Frau Husistein und die „Buchhandlung zur Rose“ sind nominiert für die schweizerische Buchhandlung des Jahres 2017..

m.p.g.a. – die fünfte. handelt von Rosen, von Gilbert Becaud (am Rande) und vom ABSTIMMEN zuerst. wunnn-derrrr-baaaar.

jetzt aber – ABSTIMMEN, wirklich!!! und warum, weshalb, wieso => hier mehr > l’important – c’est la rose ….“ – woher hat Gilbert Becaud das gewußt?

Fotos: © Leonie Schwendimann

m.p.g.a. (make poetry great again)

WBuder_Gedichtband© Leonie Ramoser (Danke!)

jede zeile, jedes wort, ja selbst noch punkt und beistrich sagen es dir hinein in deine unerlösten schritte: keine_r von uns ist allein, und dass wir das wissen, glauben, hoffen und uns dann entscheiden, so zu tun, als ob es anders wäre.

ja, das setzt dich frei. ja, das kann dich fesseln. vielleicht. weil du bist auch ein gedicht, also:
make poetry great again (m.p.g.a.) 

 

die waffen nieder

210723_404164492979950_1683729204_o„Global Day of Action on Military Spending“ – das heißt nicht, dass der 14. April ein Spendentag fürs Militär ist. Im Gegenteil: Auf der ganzen Welt, ist auf demilitarize.org.uk zu lesen, werden heute Menschen aktiv, dass die Kosten für militärische Ausrüstung zurückgenommen und für ernsthafte menschliche Bedürfnisse eingesetzt werden. Was soll ich tun? 

Also schreibe ich, ein bisschen an, gegen 1,75 Trillionen Dollar. Keine Ahne wieviel das ist!? Eine wichtige Rolle spielt das SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute. Heute liefert das Institut diese und andere Zahlen für 2013. Der komplette Wahnsinn in Statistiken ausgeführt oder: gegossen Es ist die Beschreibung der globalen, regionalen und nationalen Trends bei den Militärausgaben auf der Basis der neuen Daten für das vergangene Jahr.
Eine jährlich wiederkehrende Offenbarung des Militarismus, nein: des Waffenwahnsinns in unseren Gesellschaften. Es ist so: Weder Millionen verhungernder Kinder, noch Billionen von Dollars für Miltärspielzeug reichen hin, um die menschliche Vernunft in wahrnehmbarer Weise aufkommen zu lassen. Geschweige denn, dass sie überhand nehmen könnte! Allerdings, Obacht geben, in Österreich sind die Militärausgaben seit 2008 (!) um 10 % gesunken! Sagen wir so: Eine 10%ige Zunahme der Vernunft in 5 Jahren, also etwa 2% pro 365 Tage in den letzten 5 Jahre – da sind wir auf der fortschrittlichen Seite! Weltweit sind es nur 1,79% weniger im Vergleich seit 2012.

Aber die kleine Freude an der frohen Botschaft steht vor einem gewaltigen Menetekel des Ausgabenzuwachses als der Militarisierung und damit auch der weltweiten Bedrohung von Ländern wie China, USA, Russland oder Indien et cetera. Nun, eine lohnende Aufgabe für den 14. April – den SIPRI-Bericht ein wenig betrachten und dabei das Dauermorden in Syrien präsent zu halten.
…“Was machst Du, fragt Gott“ /  und nach einer wohlgesetzten zweizeiligen, wohlgesetzten Pause …
„Herr, sag ich, es / regnet, was / soll man tun“
schrieb einst Reiner Kunze – wohl ein Freund des Friedens unter den Menschen – und schenkt auch noch unsereinem einen bewegenden Hauch von Seele und Hoffnung:
„… und seine Antwort wächst / grün durch alle Fenster“ (hier ist die unparteiliche Lesart vorgeschlagen:) – auf diese Weise den Kampfgeist wecken, können nur Weise oder eben Dichter.
Eine friedfertig, kämpferische Antwort auf all den trillionenteuren, klirrend-schleichend-immertötenden Nicht-Sinn namens Krieg. Wer’s einfacher möchte, kann das auch haben: DIE WAFFEN NIEDER _ sagte Frau von Suttner und meinte es auch ernst!

hüten

 picasso_mann+schaf_vallauris

hüten

in zaunloser weite
wie ausgesetzt aber nicht rastlos
im horizont der schöpfung
boden gewinnen

schreitend im takt zeitloser unrast
wie wankend aber nicht ruhelos
im lichtkreis des stabes
seelen nähren

und bergen. und schützen. und sorgen.
neugeborene im unterholz, verstecktes leben
retten und heilen, vielleicht.
immer aber
gefährlich entschieden
und

einfach sein
den träumen ein auge
den leiden ein herz
den mächten ein widerfahrnis
das feld zu behalten, widerstehen.

und hüten. das offene
geheimnis
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walter l. buder (20110728)

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Foto: 06 – VALLAURIS.

L’Homme au Mouton. Picasso.

hoffen

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HOFFNUNG

((Emmanuel Geibel, 1815-1884))

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Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muß d o c h Frühling werden.

Und drängen die Nebel noch so dicht
Sich vor den Blick der Sonne,
Sie wecket doch mit ihrem Licht
Einmal die Welt zur Wonne.

„hoffen“ weiterlesen

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482127_512279958836026_1700772862_nAus gegebenem Anlass – Tag der Poesie am 21. März – und Veröffentlichung des „offiziellen Papstbildes“ am gleichen Tag.

Mit dieser besonderen Widmung:
Der Dichterin zu Ehren und der vatikanischen Öffentlichkeitsarbeit zur Mahnung.

 

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Wohin aber gehen wir
ohne sorge sei ohne sorge
wenn es dunkel und wenn es kalt wird
sei ohne sorge
aber
mit musik
was sollen wir tun
heiter und mit musik
und denken
heiter
angesichts eines Endes
mit musik
und wohin tragen wir
am besten
unsre Fragen und den Schauer aller Jahre
in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge
was aber geschieht
am besten
wenn Totenstille

eintritt  _

(Ingeborg Bachmann)