die waffen nieder

210723_404164492979950_1683729204_o„Global Day of Action on Military Spending“ – das heißt nicht, dass der 14. April ein Spendentag fürs Militär ist. Im Gegenteil: Auf der ganzen Welt, ist auf demilitarize.org.uk zu lesen, werden heute Menschen aktiv, dass die Kosten für militärische Ausrüstung zurückgenommen und für ernsthafte menschliche Bedürfnisse eingesetzt werden. Was soll ich tun? 

Also schreibe ich, ein bisschen an, gegen 1,75 Trillionen Dollar. Keine Ahne wieviel das ist!? Eine wichtige Rolle spielt das SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute. Heute liefert das Institut diese und andere Zahlen für 2013. Der komplette Wahnsinn in Statistiken ausgeführt oder: gegossen Es ist die Beschreibung der globalen, regionalen und nationalen Trends bei den Militärausgaben auf der Basis der neuen Daten für das vergangene Jahr.
Eine jährlich wiederkehrende Offenbarung des Militarismus, nein: des Waffenwahnsinns in unseren Gesellschaften. Es ist so: Weder Millionen verhungernder Kinder, noch Billionen von Dollars für Miltärspielzeug reichen hin, um die menschliche Vernunft in wahrnehmbarer Weise aufkommen zu lassen. Geschweige denn, dass sie überhand nehmen könnte! Allerdings, Obacht geben, in Österreich sind die Militärausgaben seit 2008 (!) um 10 % gesunken! Sagen wir so: Eine 10%ige Zunahme der Vernunft in 5 Jahren, also etwa 2% pro 365 Tage in den letzten 5 Jahre – da sind wir auf der fortschrittlichen Seite! Weltweit sind es nur 1,79% weniger im Vergleich seit 2012.

Aber die kleine Freude an der frohen Botschaft steht vor einem gewaltigen Menetekel des Ausgabenzuwachses als der Militarisierung und damit auch der weltweiten Bedrohung von Ländern wie China, USA, Russland oder Indien et cetera. Nun, eine lohnende Aufgabe für den 14. April – den SIPRI-Bericht ein wenig betrachten und dabei das Dauermorden in Syrien präsent zu halten.
…“Was machst Du, fragt Gott“ /  und nach einer wohlgesetzten zweizeiligen, wohlgesetzten Pause …
„Herr, sag ich, es / regnet, was / soll man tun“
schrieb einst Reiner Kunze – wohl ein Freund des Friedens unter den Menschen – und schenkt auch noch unsereinem einen bewegenden Hauch von Seele und Hoffnung:
„… und seine Antwort wächst / grün durch alle Fenster“ (hier ist die unparteiliche Lesart vorgeschlagen:) – auf diese Weise den Kampfgeist wecken, können nur Weise oder eben Dichter.
Eine friedfertig, kämpferische Antwort auf all den trillionenteuren, klirrend-schleichend-immertötenden Nicht-Sinn namens Krieg. Wer’s einfacher möchte, kann das auch haben: DIE WAFFEN NIEDER _ sagte Frau von Suttner und meinte es auch ernst!

nicht ohne hoffnung

sumaya_pal-isr-2012-403„Sie war noch nie in Vorarlberg“, sagt Werner Johler mit verhaltener Freude. Der Leiter der Bregenzer Komturei des „Ordens der Ritter vom Heiligen Grab“ hat die palästinensische Christin ins Land – und das Ökumenische Bildungswerk Bregenz, Pax Christi und ACUS Vorarlberg sowie den Int. Versöhnungsbund als Mitveranstalter – ins Boot geholt.

Auf verschiedene Weise sind Vorarlberger/innen – und Österreich als Staat – mit dem Schicksal des palästinensischen Volkes und den Christen dort verbunden. Und mit Werner Johler sind viele auch überzeugt, dass das „Palästinenserproblem“ – genauer: das Verhalten des Staates Israel den Palästinensern gegenüber – in Europa verdrängt wird. Die Wahrheit ist eine Stütze des Friedens. Blauäugigkeit hilft nicht:

„Die Lage in Palästina ist so komplex und aussichtslos, ja deprimierend wie nie zuvor. Die israelische Siedlungstätigkeit auf unserem Land ist intensiver geworden, die Sperren und die Mauer machen das Leben zur Qual und entziehen den Menschen die Existenzgrundlage. Die innerpalästinensische Situation ist frustrierend. Das Versagen der politischen Führung in Gaza und im Westjordanland ist offensichtlich.“

Das ist in der Einleitung zu den Tagebuchnotizen Sumaya Farhat-Nasers von 2008-2013 zu lesen. Einige der Notizen sind sicher im „Schatten des Feigenbaumes“ geschrieben worden, wie diese hier vielleicht:

„Das Besondere dieser Jahre: Dass trotz der Zerstörung und des Unrechts der Wille da ist, die Tradition zu wahren und Neues entstehen zu lassen.“

Ist es nicht eine Freude, solche Menschen bei sich zu haben und mit ihnen das Leben zu teilen? Willkommen, Sumaya! Und wenn Sie sich Zeit nehmen möchten für eine Geschichte „Im Schatten des Feigenbaumes“ freuen wir uns auf Sie an diesen Orten und zu diesen Zeiten:

  • Bregenz: Fr 21. März, 19.30 Uhr, Kloster Mehrerau (Aula Bernardi)
  • Dornbirn: Sa 22. März, 14.30 Uhr, Pfarrzentrum St. Christoph (Rohrbach)
  • Feldkirch: Sa 22. März, 20 Uhr, Dom St. Nikolaus (bzw. 19 Uhr im Abendgottesdienst)
  • Bregenz: So 23. März, 10.30 Uhr, Evangelische Kirche A. u. H. B. Ölrain (bzw. 9.30 Uhr im Gottesdienst)
Evernote hilft dir, nichts zu vergessen und alles mühelos zu ordnen und zu organisieren. Evernote herunterladen.

rüstung tötet

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„Hemmungslose Politik der Rüstungsexporte“ Unter diesem Titel erscheint im Vorarlberger KirchenBlatt (Nr. 1 vom 2. Jänner 2014) ein Interview mit dem deutschen Friedensaktivisten und Rüstungskritiker Jürgen Grässlin. Susanne Huber (Kooperationsredaktion der Kirchenzeitungen) hat mit ihm über die Tragweite seiner jüngsten Publikation: „Schwarzbuch: Waffenhandel“ gesprochen. Den „Opfern eine Stimme geben“ und den „Tätern Namen und Gesicht“ – das ist der Antrieb, der hinter Jürgen Grässlins Arbeit steckt. Es ist zu seiner „Lebensaufgabe“ geworden, über Waffenproduktion aufzu- klären und „Rüstungsexporte völlig enthemmter Art“ aufzudecken – in Vorträgen, bei Lesungen, in seinen zahlreichen Sachbüchern. Sein neuestes Werk heißt „Schwarzbuch Waffenhandel“. Der Rüstungsexperte, Pädagoge und Autor recherchiert seit 30 Jahren intensiv auf diesem Gebiet.

Der auszugsweise Abdruck des Interviews geschieht hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des Vorarlberger KirchenBlattes.

Welche Länder zählen zu den größten Waffenexporteuren der Welt?
Jürgen Grässlin: Mit großem Abstand die USA und Russland, danach kommt auf Platz drei Deutschland, gefolgt von Frankreich, Großbritannien und China. Das Makabre daran ist, dass fünf dieser Nationen, ausgenommen Deutschland, ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat sind und den Weltfrieden durch- setzen und sichern wollen. Zugleich schicken sie aber als größte Rüstungsexportmächte Waffen in Krisen- und Kriegsgebiete wie Su- dan, Somalia, Afghanistan oder Irak. Hinterher schickt man Blauhelmsoldaten in Friedensmission auf die Kriegsschauplätze der Welt, die dort die zuvor herangeschafften Waffen wieder einsammeln. Es zeigt, wie absurd die Lage auf dem Globus ist und wie bedenklich, denn wir haben keine Alternative zu den Vereinten Nationen.

Höre ich da Kritik an den Vereinten Nationen?
Jürgen Grässlin: Die Vereinten Nationen müssten in vielerlei Hinsicht reformiert werden – strukturell, aber auch politisch, wenn sie es mit ihrem Friedensauftrag ernst meinen wür- den. Alle fünf Mitglieder im UN-Sicherheitsrat – und Deutschland als drittgrößter Waffenexporteur natürlich auch – gießen Öl ins Feuer der Kriege und Bürgerkriege. Diese Staaten müssten endlich ernst gemeinte Friedenspolitik betreiben. Dazu gehört ein Stopp des Waffenhandels. Aber das Gegenteil ist der Fall.

Welche Staaten sind Hauptabnehmer von Waffen?
Jürgen Grässlin:
Im Moment sind es Indien und Pakistan. Gerade miteinander verfeindete Staaten werden immer wieder mit deutschen Kriegswaffen beliefert. Dazu zählen neben Pakistan und Indien auch die Türkei und Griechenland, die vielfach die gleichen Kampfpanzer erhalten; dazu zählen Israel, Ägypten und der weltweit zweitgrößte Christenverfolgungsstaat Saudi-Arabien, die in der Regel die gleichen Kriegsschiffe erhalten. Hier zeigt sich die Hemmungslosigkeit einer Rüstungsexportpolitik, die sich nach drei Kriterien richtet: Profit, Profit, Profit.

Schwarzbuch Waffenhandel von Juergen GraesslinDie Menschenrechte, Moral und Ethik scheinen da keine Rolle zu spielen …
Jürgen Grässlin:
Auf dem Papier schon. In Deutschland wurden im Jahr 2000 politische Grundsätze zum Waffenexport verabschiedet, die ausschließen, dass Deutschland menschenrechtsverletzende Staaten mit Kriegswaffen beliefert. Aber diese Grundsätze sind rechtlich nicht verbindlich. So kann sich die BRD auf der einen Seite immer wieder brüsten, ein Staat zu sein, der auf Ethik und Moral, auf Frieden und Freiheit, auf die Wahrung von Menschenrechten sehr viel Wert legt. Jedoch auf der anderen Seite trifft der geheim tagende Bundessicherheitsrat unter Führung der Kanzlerin Merkel Entscheidungen über brisante Rüstungsexporte und bestückt zuhauf selbst die schlimmsten Diktaturen der Welt mit Waffen. Das tut übrigens auch Österreich. Auf welchem Platz steht Österreich im Hinblick auf Waffenexporte? Jürgen Grässlin: Österreich ist im Moment der fünfundzwanziggrößte Rüstungsexporteur der Welt und hat z. B. mit Steyr-Mannlicher einen großen Schusswaffenhersteller. In einer Untersuchung von amnesty international von 2005 bis 2009 wurde angeprangert, dass Österreich neben Italien das einzige Land war, das Waffen, Munition und Ausrüstung an Syrien genehmigte. Zudem hat Österreich im benannten Zeitraum Panzerfahrzeuge an den Jemen geliefert und Kleinwaffen und Glattrohrkanonen an Bahrain. Das sind alles massiv menschenrechtsverletzende Staaten. Aus meiner Sicht ist das schwer nachvollziehbar, denn Österreich ist ja begrüssenswerterweise ein neutrales Land. Aber wer Waffen in Krisen- und Kriegsgebiete liefert, macht sich mitschuldig an Massenmorden, die damit verübt werden. (…)

Zum Foto (oben):
Jürgen Grässlin (re), Träger des Aachener Friedenspreises 2011, prangerte im Rahmen des Bodenseefriedensweges 2011 vor dem Verwaltungsgebäude der MTU (Friedrichshafen) deren Geschäfte mit Motoren auch für Panzer und Kriegsschiffe an. (Foto: WB)

Literaturhinweis:
Jürgen Grässlin, „Schwarzbuch Waffenhandel. Wie Deutschland am Krieg verdient“, Heyne Verlag 2013. Euro 15,50. 

Auszug aus dem Interview des Vorarlberger KirchenBlattes (Susanne Huber) mit Jürgen Grässlin: „Hemmungslose Politik der Rüstungsexporte“  (mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

gewalt frei

JeanGoss„Man muss die Wahrheit aussprechen, das Unrecht anprangern, so wie Jesus es getan hat. (…) Dieser Weg ist so mächtig wie die Atombombe. Er kann alle ungerechten Strukturen auf der ganzen Welt verwandeln. (…)“

So redet Jean Goss – geboren am 20. November 1912. Arbeiter, Gewerkschafter, Christ. Der 28jährige, wehrhafte, für seine Tapferkeit im Kampf ausgezeichneten, Unteroffizier der französischen Armee erlebt in der Schlacht um Lille im Mai 1940 eine ausserordentliche Bekehrung zur Menschenliebe, sprich: Gottes- und Nächstenliebe, die in Gestalt der Gewaltlosigkeit sein weiteres Leben durch und durch bestimmt.

„Gewaltlosigkeit ist die größte Macht, die der Menschheit zur Verfügung steht. Sie ist mächtiger als die mächtigste Zerstörungswaffe, die die Menschheit ersonnen hat.“

So redet Mohanda Karamchad Ghandi. Am Geburtstag (2. Oktober 1869) von Mahatma, der grossen Seele“ wird seit 2007 der „Internationale Tag der Gewaltlosigkeit“ begangen. Mahatma Ghandi ist in den Augen der Welt und auch im Blick vieler Christen/innen ein – oder wohl eher: das – Inbild kämpferischer Gewaltlosigkeit.

Der Weg der Gewaltlosigkeit bedarf  „grosser Seelen“, sprich: eines starken Glaubens, einer unzerstörbaren Hoffung und einer Liebe, die zur Hingabe des Lebens bereit ist. Wer ihn gehen möchte, im Kleinen wie im Grossen, wird diesen Anspruch sofort verspüren. Den Blick in solchen, entscheidenden Momenten auf die „Wolke der Zeugen“ (Hebr 12,1) richten zu können kann helfen. Aber, wie auch immer, man wird – trotz seiner strahlenden Helle und schmerzlichen Klarheit – den wohl wahren Gedanken von Simone Weil (1909-1943) in diesen Dingen, nicht unterschlagen können: „Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen, und wer sich weigert es zu ergreifen, wird durch das Kreuz umkommen.“  Wer es fassen kann, der fasse es!

Fotonachweis: hier

politisch, heilig, genial

381px-Bundesarchiv_Bild_183-19000-2453,_Robert_SchumanAm 4. September waren es 50 Jahre, dass Robert Schumann in Scy-Chazelle (Mosel)  das Zeitliche gesegnet hat. Als Johann-Baptist Nikolaus Robert Schuman ist er am 29. Juni 1886 in Clausen (heute ein Stadtteil von Luxemburg) geboren und getauft (katholisch) worden. Ein „geborener Europäer“ und darin uneinholbar originell: Luxemburger, Deutscher, Franzose im Wandel der Geschichte, zu jeder Zeit und in jeder Hinsicht und durch und durch. Im Leben dieses Mannes gibt es nichts Aufgesetztes. Am 9. Mai 1950 in seiner Rolle als Aussenminister Frankreichs (zwischen 1948 und 1952 in 8 Kabinetten) schlug seine Stunde synchron mit dem „Kairos“ für Europa. Sein politischer Geniestreich legt die Spur für ein Europa des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit: Versöhnung als politisches Konzept. Im Wesentlichen definiert durch die Verweigerung der Weiterführung einer Logik des Krieges und der entschiedenen, aktiven Akzeptanz einer „Logik des Friedens“. Ein politischer Heiliger gar? 

Die Schumann-Erklärung schlägt „die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EKGS)“ vor, einer Wirtschaftsgemeinschaft also, deren Sinn und Zweck gar nicht so sehr mit Kapital und Profit verknüpft ist wie das heutige Europa uns glauben machen will, sondern eben darin: „Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen.“ Robert Schumans Rede ist kurz und „knackig“. Auch nach den vielen Jahren hat der Text nichts an seiner aufrichtigen Direktheit verloren mit der der französische „Sieger“ sich dem deutschen „Verlierer“ auf Augenhöhe begegnet. Versöhnung und Miteinander im Tun (Wirtschaften) bringen Frieden, das kostbare Gut in den zerbrechlichen Gefässen. Und es ist keine Zeit zu verlieren  – „jetzt“ ist es Zeit. Schuman drängt SOFORT zur TAT zu schreiten – und das nicht im Allgemeinen sondern „in einem begrenzten, doch entscheidenden Punkt“, nämlich zentrale wirtschaftliche Potentiale der Länder ZUSAMMEN zu legen. Schumans Erklärung hat profetische Züge.

Europa soll aussteigen aus der Logik des Krieges und bewusst und entschieden einsteigen in die Logik des Friedens: Abwenden vom tradierten „divide et impera“ der nationalen (und persönlichen) Egoismen und hinwenden zu einer „solidarischen“ Produktionsgemeinschaft. Im Spiegel dieses Textes sieht man deutlich die „Brüsseler Zwerge“ wie sie auf den Schultern der Riesen ihre Spielchen treiben und je tiefer die Sonne steht umso länger werden ihre Schatten. Schuman hatte keinen „Zwergenfrieden“ im Auge sondern ein Europa, dessen „eine Solidarität der Tat“ für die ganze Welt – modellhaft und in aller Freiheit – anbietet.

Das Diözesanverfahren für die Seligsprechung Robert Schumans wurde am 29. Mai 2004 abgeschlossen und an Rom übergeben. Zu seiner Zeit als Aussenminister begegnete er auch dem damaligen Nuntius in Paris, Angelo Roncalli: „Er ist der einzige Mann in Paris, in dessen Gesellschaft man die physische Empfindung von Frieden hat.“ (1) bemerkte Schuman. Dieses „Gespür“ weist hin auf die „Spiritualität“ dieses Mannes. Seine zölibatäre Lebensweise aber auch andere, wesentlichere Charakterzüge seiner Person, lassen die charismatische Gestalt eines katholischen Laien mit viel Zukunftspotential erkennen.

Der zu Beginn seines Lebens getaufte Katholik Robert Schuman und die bis in ihre Todesstunde ungetaufte Simone Weil (1909-1943) sind sich nie begegnet. Aber sie teilten die Begabung des Gespürs für den „Kairos“, für die Bedeutung der Stunde, der Zeit, in der Welten aus den Angeln gehoben und Neuanfänge an den Tag kommen. Schuman scheint mir – unter zahlreichen anderen – auch einer von der Sorte zu sein, die – zur meist verkannten und häufig mißbräuchlich auf (die) Kirche(n) reduzierte  – „unerhörten Größe des Christentums beitragen, die daher kommt, dass es nicht ein übernatürliches Heilmittel gegen das Leid sucht, sondern eine übernatürliche Verwendung des Leids.“ Mit scheint, das Schuman gegeben war, was Simone Weil zeitlebens Schmerz bereitete: „Das Höchste ist nicht, das Höchste zu verstehen, sondern es zu tun. Die Welt braucht Heilige mit Genie.“ (2) So könnte es sein.

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Foto: wikicommons (bundesarchiv.de)
(1) zit. nach A.Kirchmayer, Johannes XXIII. – ein Papst mit christlicher Spiritualität und Humor. In: H. Kohlmaier, Gedanken zur Zeit. Nr. 75 vom 14. Jänner 2013, S.6.
(2) zit. nach Michael Schneider, Wegmarken

Zeitlebens

Biuschofundich_2ISKENDERUN. 21. Jänner 2013. Das alte Alexandrette, eine Gründung Alexanders des Grossen, ja der: „drei-drei-drei bei Issos grosse Keilerei“ – in gleichen Jahr 333 v. Chr., gleich nach der Schlacht sozusagen. Ein paar Jahre und einige Schlachten später kamen wir, die Friedensradler im Jahr 2009, am 10. Mai, ein Tag voller Sonnenschein und Wärme und kein Schlachtenlärm weit und breit. Aber – ob Frieden war?  Den Iskenderun-Kebap hatte ich in Istanbul kennen und schätzen gelernt. Wie Bischof Luigi Padovese (im Bild rechts), der uns an jenem Maitag erwartete. Der Duft von frischem Espresso und die ruhige Gelassenheit des Bischofs im weiten, schattigen Innenhof des schönen Anwesens, gleich bei seiner Kirche – so etwa könnte Frieden sich anfühlen, wenn er in der Liebe Gottes wurzelt und mit Vergebung einhergeht. Denn: Don Luigi Santoro, ein priesterlicher Mitarbeiter des Bischofs ist am 5. Februar 2006 in Trabzon (türkische Stadt am Schwarzen Meer) während er in der Kirche betete, von hinten erschossen worden. Der Bischof richtete daraufhin in seinem Haus das „Instituto per il dialogo religosa Don Andrea Santoro“ ein und veranstaltete jedes Jahr interreligiöse Tagungen, Gespräche und Dialoge mit Wissenschaftlern aller Glaubensrichtungen. Mit Bischof Liugi fanden wir Herzensgüte gepaart mit Intellekt und biblisch inspiriertem Glauben an Christus. Wir – die Friedensradler – waren längst wieder zu Hause. Da traf es mich wie eine Keule: „Unser“ bischöflicher Freund war am 3. Juni 2010 von seinem Chauffeur, der in einem Vertrauensverhältnis zu ihm stand, in seinem Auto mit einem Messer erstochen. Bisschen viel auf einmal für eine sehr alte, türkische Stadt am Mittelmeer. Aber es ist altes Glaubensland, ein Wetterwinkel der Religion, das alte Land der Bekenner und Glaubenszeugen, immer schon und wenn du Barbara, Margarethe, Kosmos oder Damian, Bonifatius oder Blasius heißt, bist du nicht nur dabei sondern mittendrin. Wie die deutschen Raketenbatterien mit dem sinningen Namen „Patriot“. Sie sind am 21. Jänner 2013 im Hafen von Iskenderun an Land gefahren. Syrien ist nicht mehr weit. Dort ist schon (viel zu) lange Krieg, Mord und Totschlag und unendliches Leid, von den Flüchtlingen gar nicht zu reden. Iskenderun ist nicht nur einer der größten MIttelmeerhäfen sondern ein ebenso wichtiger amerikanischer Luftwaffenstützpunkt – ok, hi patriots! – Herr Oberst Marcus Ellermann, der den NATO-Einsatz der Raketenungeütme an der syrisch-türischen Grenze begleitet, sprach von einem „Signal der Abschreckung“. Nun, hatten wir nicht gerade diese Abschreckungssache hinter uns gelassen, uns gefreut, dass es nun vorbei sein könnte. Nichts da, Freude ist nicht so sehr gefragt bei der Abschreckung. Also:  Ich war mit dem Fahrrad in Iskenderun, mit Freunden, und wir haben ihn, das göttliche Geschenk erahnt, so – wie es in der Bibel heißt – den Frieden, wie ihn die Welt zwar nicht GEBEN – aber ERAHNEN – lassen kann. Aber die Panzer rasseln durch meinen Kopf, und die Raketen stechen in den syrisch-türkischen Himmel, der ihrer grad wie auch meiner ist, und im Traum gründe ich interreligiöse Friedensinstitute, in denen es nach echt italienischem Espresso duftet, zubereitet von grauhaarigen, fröhlichen Nonnen.